Lateinische Supina: Zweck in zwei kurzen Formen — Alte Sprachen, 14–17
Das Supinum ist eine kurze lateinische Verbform mit zwei besonderen Aufgaben. Es kann erklären, warum jemand irgendwohin geht, oder beschreiben, wie leicht, schwer oder wunderbar eine Handlung ist.
Was ein lateinisches Supinum tut
Das Supinum ist eine sehr kurze, substantivähnliche Form, die aus einem Verb gebildet wird. Die Form auf -um steht nach einem Bewegungsverb und zeigt den Zweck: legati veniunt pacem petitum, „die Gesandten kommen, um Frieden zu suchen“. Die Form auf -u steht bei Wörtern wie mirabile: mirabile dictu, „wunderbar zu sagen“.
Warum Latein Supina brauchte
Latein musste oft einen Zweck oder eine Bewertung mit sehr wenigen Wörtern ausdrücken. Ein Infinitiv konnte eine Handlung benennen, passte aber nicht immer nach einem Bewegungsverb oder einem bewertenden Adjektiv. Das Supinum wurde zu einem knappen Werkzeug für diese beiden Aufgaben, besonders in formeller Prosa und festen Wendungen.
Schritt für Schritt: pacem petitum
Nimm legati Romam venerunt pacem petitum. Zuerst bedeutet legati „die Gesandten“ und venerunt „kamen“. Dann ist pacem „Frieden“ im Akkusativ, also das Gesuchte. Schließlich ist petitum das Supinum von petere, „suchen“, und beantwortet die Frage „zu welchem Zweck?“. Der ganze Satz heißt: „Die Gesandten kamen nach Rom, um Frieden zu suchen“.
Falle: jedes -um als Infinitiv zu behandeln
Es ist verständlich, petitum für eine Verbendung zu halten, weil lateinische Infinitive oft auf -re enden und viele Formen ungewohnt aussehen. Aber petitum ist kein Infinitiv und bedeutet nicht einfach „suchen“. Schau auf das benachbarte Verb: Nach einem Bewegungsverb zeigt -um oft den Zweck; bei einem Adjektiv wie facile kann die Form auf -u stehen.
Wo Supina noch vorkommen
Das Supinum auf -u begegnet dir in bekannten lateinischen Wendungen wie mirabile dictu, „wunderbar zu sagen“, und horribile visu, „schrecklich anzusehen“. Solche Wendungen stehen noch in Inschriften, Büchern, Motti und modernen Texten mit lateinischen Lehnformen. Wenn du das Supinum erkennst, wirken sie wie bewusste Grammatik statt wie zufällige Endungen.
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