Erlebte Rede — Literatur, 14–17 Jahre
Bei der erlebten Rede gibt der Erzähler die Gedanken einer Figur wieder, behält aber die Grammatik der Erzählung in der dritten Person. Die Stimmen vermischen sich teilweise, sodass man die Haltung der Figur hört, ohne eine klare Einleitung wie „dachte sie“.
Zwei Stimmen in einem Satz
In einer gewöhnlichen Erzählung sagt der Erzähler, was eine Figur denkt; beim direkten Gedanken erscheinen ihre eigenen Worte. Die erlebte Rede liegt dazwischen. Die Grammatik gehört zum Erzähler, doch Wortwahl, Ausrufe oder Urteile klingen, als kämen sie aus dem Bewusstsein der Figur.
Das Problem, das es löst
Schriftsteller brauchten eine Möglichkeit, einer Figur nahe zu kommen, ohne die Geschichte durch einen Block wörtlich zitierter Gedanken anzuhalten. Diese Technik hält den Erzählfluss aufrecht und erzeugt Nähe wie Unsicherheit. Weil sich Erzählerwörter und Figurenhaltung überlagern, müssen Lesende entscheiden, wem ein Urteil zuzuschreiben ist.
Die vermischte Stimme erkennen
Vergleiche: „Mara sah das Prüfungsergebnis. Sie dachte: ‚Was für ein Desaster!‘“ mit „Mara sah das Prüfungsergebnis. Was für ein Desaster!“ In der zweiten Fassung bleiben „Mara“ und die Vergangenheitsform erhalten, doch der Ausruf klingt nach ihrer Reaktion. So gelangen wir ohne Gedankenankündigung in ihren Kopf.
Die Falle: Nicht jeder Gedanke ist dieselbe Stimme
Lesende nehmen vielleicht an, jede Meinung in einer Erzählung der dritten Person gehöre eindeutig zum Erzähler. Das ist verständlich, weil die Grammatik wie gewöhnliche Erzählung aussieht. Doch Slang, Übertreibung oder ein sehr persönliches Urteil können von der Figur stammen; man sollte die Stelle mit der üblichen Erzählerstimme und den Überzeugungen der Figur vergleichen.
Wo es nützlich ist
Diese Technik kommt in Romanen häufig vor, weil sie die Vorstellungen einer Figur gegenwärtig macht, ohne sie verlässlich zu machen. Sie kann auch gesellschaftliche Haltungen indirekt zeigen: Eine Figur verwendet vielleicht eine vorurteilsvolle Wendung, während die Geschichte deren Grenzen still offenlegt. So unterscheidet man den Zugang zu einem Bewusstsein von Zustimmung zu ihm.
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