Ständegesellschaft, João V. und der Marquês de Pombal — 11–13
Wie die Gesellschaft des 18. Jahrhunderts organisiert war, wie João V. regierte und was sich nach dem Erdbeben von 1755 änderte.
Ein König mit aller Macht
Im 18. Jahrhundert war die portugiesische Gesellschaft in drei Stände geteilt: Klerus, Adel und Volk. Klerus und Adel hatten Privilegien, etwa keine bestimmten Steuern zu zahlen; das Volk, die große Mehrheit, arbeitete und zahlte. König João V. hatte die absolute Macht: Er entschied, ohne sie zu teilen, und die Cortes, die Versammlung der Stände, wurden nicht mehr einberufen.
Warum der König allein herrschen konnte
Ein König ist nur dann absolut, wenn er beim Geld von niemandem abhängt. Früher brauchte er die Erlaubnis der Cortes, um Steuern zu erheben. Mit dem Gold aus Brasilien hatte João V. eigene Einnahmen und berief sie nicht mehr ein. Mit diesem Geld ließ er das Kloster von Mafra, den Aquädukt Águas Livres und die Bibliothek der Universität Coimbra bauen.
Ein Beispiel: Lissabon nach dem Erdbeben
Schritt 1: Am 1. November 1755 zerstört ein Erdbeben, gefolgt von Tsunami und Bränden, große Teile Lissabons. Schritt 2: Der Minister Sebastião José de Carvalho e Melo, der spätere Marquês de Pombal, leitet die Reaktion. Schritt 3: Die Baixa wird mit breiten, geraden Straßen und einheitlichen Gebäuden wiederaufgebaut, mit Holzgerüsten, die Erdbeben standhalten sollen. Schritt 4: Die Regierung nutzt den Moment, um die Zentralmacht zu stärken.
Die Falle: Held oder Schurke?
Pombal wird oft schwarz-weiß erzählt: entweder der Held, der Lissabon wiederaufbaute, oder der Tyrann. Die Wahrheit hat beide Seiten. Er modernisierte die Bildung, reformierte die Universität Coimbra und förderte Handel und Industrie; aber er regierte mit Zensur und Unterdrückung und ließ Mitglieder der Familie Távora hinrichten, in einem Verfahren, das heute als ungerecht gilt. Ein Historiker beschreibt beides.
Wo man das heute noch sehen kann
Du kannst durch die Baixa Pombalina in Lissabon spazieren und den Schachbrettgrundriss sehen, mit dem sie wiederaufgebaut wurde, von der Praça do Comércio bis zum Rossio. Du kannst das Kloster Mafra, den Aquädukt Águas Livres und die Biblioteca Joanina in Coimbra besuchen – drei Werke aus der Zeit João V., die noch stehen und für Besucher offen sind.
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