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Die Vokallänge im Lateinischen — Alte Sprachen, 11–13 Jahre

Im Lateinischen konnte ein Vokal kurz oder lang sein. Dieser kleine Zeitunterschied konnte die Bedeutung eines Wortes oder den Rhythmus eines Verses verändern.

Ein Vokal kann einen oder zwei Schläge dauern

Lateinische Sprecher hielten nicht jeden Vokal gleich lange. Ein kurzer Vokal war schnell, ein langer dauerte ungefähr doppelt so lange; in Wörterbüchern wird der lange Vokal manchmal mit einem Strich wie bei ā markiert. Es geht um Zeit, nicht um Lautstärke.

Warum war der Unterschied wichtig?

Latein wurde zuerst gehört, nicht von einer Seite mit Längenzeichen gelesen. Zuhörer nutzten die Dauer zusammen mit den anderen Lauten, um Wörter zu erkennen und Gedichten zu folgen. Später setzten Lernende solche Zeichen zur Hilfe ein, doch die Römer schrieben sie meist nicht.

Mālum und malum vergleichen

Nimm mālum mit langem ersten Vokal: Es bedeutet „Apfel“. Nimm nun mălum mit kurzem ersten Vokal: Es bedeutet „Übel“ oder „Unglück“. Sprich beide langsam und halte den ersten Vokal in mălum einen Schlag, in mālum ungefähr zwei. Eine gewöhnliche römische Inschrift zeigte den Unterschied vielleicht nicht; deshalb half auch der Zusammenhang.

Nicht lauter und kein anderer Vokal

Ein häufiger Fehler ist, einen langen Vokal lauter zu sprechen oder seinen Klang zu verändern, als wäre ā ein neuer Laut. Das ist verständlich, weil moderne Schreibweisen Zeichen oft für Betonung oder andere Vokale verwenden. Im klassischen Latein zählt vor allem, wie lange der Vokal gehalten wird; die Betonung ist etwas anderes.

Wo es noch hilft

Die Vokallänge hilft beim lauten Lesen lateinischer Gedichte, weil römische Verse oft vom Muster langer und kurzer Silben abhängen. Sie erklärt auch, warum ein Wörterbuch für gleich aussehende Schreibweisen zwei Bedeutungen angeben kann. Für das Verstehen eines Satzes braucht man keine perfekte alte Aussprache, doch die Länge macht das Lesen genauer.

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