Lateinische Relativsätze: eine Beschreibung hinzufügen — Alte Sprachen, 14–17 Jahre
Ein Relativsatz fügt im Lateinischen einem Substantiv zusätzliche Information hinzu, ohne einen völlig neuen Satz zu beginnen. Das Relativpronomen verweist auf dieses Substantiv und hat zugleich seine eigene Aufgabe im Nebensatz.
Ein Satz, der an einem Substantiv hängt
In puella quae cantat, „das Mädchen, das singt“, verweist quae auf puella und leitet eine Zusatzinformation ein. Das Bezugswort heißt Antezedens; die Form des Pronomens zeigt aber seine eigene Aufgabe im Relativsatz, etwa Subjekt oder Objekt.
Warum einen Relativsatz verwenden?
Oft muss man eine Person oder Sache genauer bestimmen: nicht nur „das Mädchen“, sondern „das Mädchen, das singt“. Ein Relativsatz löst das, indem er die Beschreibung in den Satz einfügt und deutlich mit dem Substantiv verbindet.
Quem vidi lesen
Nehmen wir vir quem vidi currit, „der Mann, den ich gesehen habe, läuft“. Erstens ist vir das beschriebene Substantiv. Zweitens verweist quem auf vir, steht aber im Akkusativ, weil es Objekt von vidi, „ich sah“, ist. Drittens enthält currit die Hauptaussage: Der Mann läuft.
Kongruenz ist nicht dasselbe wie Kasus
Man könnte das Relativpronomen verständlicherweise in jeder Hinsicht an sein Bezugswort angleichen und bei einem männlichen Substantiv qui wählen. Das wirkt logisch, weil es in Geschlecht und Zahl übereinstimmt. Der Kasus kommt aber aus seiner eigenen Aufgabe: vir ist männlich Singular, quem steht im Akkusativ.
Beschreibungen in Stein und Sprache
Relativsätze kommen in römischen Inschriften, Geschichtswerken und Briefen ständig vor, weil Verfasser Personen, Orte und Taten genau bestimmen müssen. Dieselbe Struktur gibt es in modernen Sprachen; lateinische Relativsätze zu lesen trainiert daher eine weiterhin wichtige Fähigkeit.
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