Die lateinischen Reflexivpronomen se und suus — Alte Sprachen, 14–17
Du lernst, wie das Lateinische zeigt, dass eine Handlung oder ein Besitz auf das Subjekt zurückweist. Se und suus bedeuten nicht einfach „sich selbst“ und „sein“; worauf sie verweisen, hängt davon ab, ob das Subjekt im selben Teilsatz oder in einem größeren berichteten Satz steht.
Wörter, die zurückweisen
Ein Reflexivpronomen weist auf das Subjekt zurück, das die Handlung ausführt. In Marcus se laudat lobt Marcus den Marcus selbst, also bedeutet se „sich selbst“. Suus funktioniert beim Besitz genauso: Marcus librum suum legit heißt, dass Marcus sein eigenes Buch liest. Substantiv und Pronomen können verschiedene Fälle haben, aber der Bezug folgt dem Subjekt.
Warum das Lateinische diese Unterscheidung braucht
Im Deutschen kann „sein“ sowohl das eigene Buch des Subjekts als auch das Buch eines anderen Mannes meinen; für Genauigkeit sagen wir oft „sein eigenes“. Das Lateinische baut diese Genauigkeit ins Pronomen ein: suus weist auf das Subjekt, eius normalerweise auf jemand anderen. So entscheidet ein kleines Wort über den Besitzer.
Suus oder eius?
Lies Julia Corneliam laudat quod librum suum legit. Zuerst ist Julia das Subjekt von laudat, und Corneliam ist die gelobte Person. Im Begründungssatz bleibt Julia das Subjekt von legit, also bedeutet suum „ihr eigenes“: Julia lobt Cornelia, weil sie ihr eigenes Buch liest. Ersetzt du suum durch eius, gehört das Buch jemand anderem.
Das nächste Substantiv ist nicht der Bezug
Es ist naheliegend, suus mit dem nächsten maskulinen oder femininen Substantiv zu verbinden, weil Deutsch und viele moderne Sprachen oft diesen Eindruck machen. Im Lateinischen ist die Entfernung aber nicht das wichtigste Kriterium. Finde das Subjekt des Teilsatzes mit suus oder se: Es ist der Bezugspunkt, auch wenn ein anderes Substantiv direkt danebensteht.
Genauigkeit in Übersetzungen
Diese Unterscheidung ist in Gesetzen, Geschichtstexten und Erzählungen wichtig, weil Besitz oder Identität das ganze Ereignis verändern können. Sie trainiert außerdem eine gute Lesegewohnheit: Übersetze ein Pronomen nicht, bevor du fragst, worauf es verweist. Beim Übersetzen musst du manchmal „sein eigenes“ oder „ihr eigenes“ ergänzen, um eine im Lateinischen enthaltene Information zu bewahren.
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