Der Ablativus absolutus: eine Nebenszene — Alte Sprachen, 14–17 Jahre
Zwei lateinische Wörter können unauffällig die Zeit, den Grund oder die Lage der Haupthandlung angeben. Der Ablativus absolutus fügt diesen Hintergrund knapp hinzu, ohne einen vollständigen Nebensatz zu bilden.
Eine kleine Szene neben der Hauptszene
Ein Ablativus absolutus verbindet meist ein Substantiv mit einem Partizip, beide im Ablativ. Zusammen geben sie den Hintergrund des Hauptsatzes an: „nach der Einnahme der Stadt“, „als der König angekommen war“ oder „weil das Tor offen war“. Die zwei Wörter bilden eine eigene kleine Szene.
Warum gibt es diese Form?
Ein vollständiger Nebensatz bräuchte ein eigenes Subjekt und Verb und könnte eine Ereigniskette schwerfällig machen. Lateinische Sprecher wollten Umstände oft in den Hintergrund setzen, während die Haupthandlung weiterlief. Die Konstruktion entwickelte sich aus einer Ablativgruppe, die etwas als abgetrennt erscheinen ließ.
Urbe capta lesen
Nimm den Satz urbe capta, milites discesserunt. Zuerst bedeutet urbe „die Stadt“ im Ablativ, und capta heißt „eingenommen“ und passt dazu. Lies die Nebenszene als „nachdem die Stadt eingenommen worden war“. Dann übersetze milites discesserunt mit „Die Soldaten gingen weg“.
Erzwinge keine einzige Übersetzung
Ein naheliegender Fehler ist, jeden Ablativus absolutus mit „während“ zu übersetzen. Das wirkt sicher, weil er oft einen zeitlichen Hintergrund gibt, aber auch Grund, Bedingung oder eine abgeschlossene Handlung ausdrücken kann. Bei urbe capta passt „nachdem“ besser: Die Stadt ist schon eingenommen.
Knapper Hintergrund in echten Texten
Diese Konstruktion ist in Geschichtswerken, Biografien und Inschriften nützlich, wo viele Ereignisse auf wenig Raum passen müssen. Ein Historiker kann den Hintergrund nennen – „nach der Unterzeichnung des Vertrags“ – und das Hauptverb für das Nächste verwenden. So wird der grammatische Schwerpunkt gelenkt.
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