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Qualitative Interviews — Soziologie, 14–17 Jahre

Ein qualitatives Interview nutzt offene Fragen, um zu verstehen, wie Menschen ihre Erfahrungen deuten. Es geht um Tiefe und Bedeutung, nicht nur um eine Summe oder einen Durchschnitt.

Zuhören, um Bedeutungen zu verstehen

In einem qualitativen Interview bittet die Forschende eine Person, eine Erfahrung mit eigenen Worten zu beschreiben. Fragen wie „Was geschah danach?“ oder „Wie hat dich das beeinflusst?“ lassen Raum für unerwartete Antworten. Anschließend sucht man im Gespräch nach Themen, Erklärungen und unterschiedlichen Sichtweisen.

Warum ein Interview nutzen?

Eine Umfrage mit vorgegebenen Antworten kann zeigen, wie viele Menschen eine Option gewählt haben. Sie kann aber verbergen, warum sie das taten oder was die Wörter für sie bedeuten. Interviews helfen bei Themen wie Identität, Angst, Zugehörigkeit oder neuen Erfahrungen, die noch wenig verstanden sind. Ihr Nachteil ist der Zeitaufwand: Meist können weniger Menschen teilnehmen.

Beispiel: die ersten Tage an einer neuen Schule

Eine Forscherin fragt vier neue Schülerinnen und Schüler: „Erzählt mir von eurer ersten Woche.“ Eine Person beschreibt das Mittagessen, eine andere spricht über Akzente, zwei erwähnen die Suche nach einem Sitzplatz. Die Forscherin versieht diese Stellen mit Codes wie „Zugehörigkeit“, „Sprache“ und „Raum“ und vergleicht die Berichte. Das Ergebnis zeigt ausführlich, wie Willkommen erlebt wird, behauptet aber nichts über alle neuen Schülerinnen und Schüler.

Die Falle: Eine Geschichte beweist das Muster

Ein eindrucksvolles Interview kann so überzeugend wirken, dass wir die Erzählung einer Person für typisch halten. Das ist verständlich: Eine ausführliche Geschichte vermittelt ein menschliches Bild, das eine Zahlentabelle vielleicht nicht liefert. Eine kleine Interviewgruppe zeigt aber nicht, wie verbreitet eine Meinung ist. Forschende sollten Berichte vergleichen und klar sagen, wie weit die Daten reichen.

Wo es außerhalb der Schule vorkommt

Journalistinnen und Journalisten nutzen Interviews, um zu verstehen, wie eine politische Maßnahme bestimmte Menschen betrifft. Hilfsorganisationen erfahren dadurch, welche Unterstützung nützlich oder entwürdigend wirkt. Produktentwickler können Nutzer vor einer Änderung einer App befragen. Der Wert liegt jeweils in Bedeutungen und Erfahrungen, die eine schnelle Bewertung übersehen könnte; repräsentativ sind die Befragten dadurch nicht automatisch.

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