Selbstwertdienliche Verzerrung — Psychologie, 14–17 Jahre
Erfolg erklären wir oft mit den eigenen Fähigkeiten, Misserfolg dagegen mit den Umständen. Diese Verzerrung kann das Selbstvertrauen schützen, aber auch hilfreiche Erkenntnisse verdecken.
Was es ist
Wenn etwas gelingt, führen Menschen das oft auf ihre Fähigkeiten oder ihren Einsatz zurück. Wenn es misslingt, nennen sie eher Pech, ungerechte Regeln oder andere Personen als Ursache. Diese Verzerrung heißt selbstwertdienlich, weil die Erklärung das eigene Bild schützt.
Warum das geschieht
Menschen brauchen eine glaubwürdige Geschichte über sich selbst, besonders nach einem Fehler oder einer Niederlage. Die ganze Schuld zu übernehmen kann schmerzen, daher schützt der Kopf das Selbstwertgefühl, indem er einen Teil der Ursache nach außen verlagert. Wer aber jede eigene Ursache meidet, lernt schwerer dazu.
Ein Beispiel Schritt für Schritt
Maya erhält in einem Test 18 von 20 Punkten und sagt: „Ich habe sorgfältig gelernt.“ Im nächsten Test erreicht sie 11 Punkte und sagt: „Die Fragen waren unfair.“ Schritt 1: Beide Erklärungen festhalten. Schritt 2: weitere Hinweise prüfen, etwa Lernzeit und Bewertungsregeln. Schritt 3: ausgewogen urteilen: Einsatz half, aber zu wenig Übung bei einem Thema spielte ebenfalls eine Rolle.
Die typische Falle
Die Falle besteht darin, dass eine echte äußere Ursache angeblich beweist, es habe keine eigene Ursache gegeben. Das wirkt verständlich, weil Umstände wirklich zählen: Eine unklare Frage kann die Note senken. Besser ist die Frage, ob mehrere Ursachen zusammenwirkten, statt nur die schmeichelhafteste auszuwählen.
Wo es vorkommt
Diese Verzerrung zeigt sich nach einem Sportspiel, einer Gruppenarbeit oder einem Streit. Bei der Rückschau hilft es, Kontrollierbares von Nichtkontrollierbarem zu trennen und zu fragen, welche Änderung beim nächsten Versuch helfen könnte. Es geht nicht um Selbstvorwürfe, sondern um eine genaue Erklärung zum Lernen.
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