Moralischer Relativismus — Philosophie, 14–17 Jahre
Der moralische Relativismus fragt, ob richtig und falsch von einer Kultur, Gruppe oder Person abhängen, statt überall zu gelten.
Verschiedene Maßstäbe oder Wahrheiten?
Menschen in verschiedenen Gesellschaften können sich über Kleidung, Familienrollen, Strafen oder erlaubte Speisen uneinig sein. Der moralische Relativismus behauptet, dass manche Urteile nur im Verhältnis zu einer Kultur, Gruppe oder Person richtig oder falsch sind. Das ist mehr als die Feststellung, dass Bräuche verschieden sind: Es wird bezweifelt, dass es eine gemeinsame moralische Antwort gibt.
Warum Uneinigkeit Druck erzeugt
Reisen, Migration und Geschichte zeigen, dass aufrichtige Menschen sehr unterschiedliche moralische Bräuche befolgen können. Das ist ein Problem für alle, die ihre eigenen Bräuche selbstverständlich für universell halten. Der Relativismus fördert Bescheidenheit und Respekt; Kritiker fragen jedoch, ob man dann Grausamkeit nicht mehr verurteilen oder eine fremde Tradition kritisieren kann.
Ein Urteil prüfen
Stell dir eine Gemeinschaft vor, in der Erwachsene beschließen, dass eine kleine Minderheit nie öffentlich sprechen darf. Ein Relativist fragt zuerst, wie die Gemeinschaft Autorität versteht und ob ihre Mitglieder die Regel wirklich akzeptieren. Dann fragt er, ob die Regel vermeidbaren Schaden verursacht und ob die zum Schweigen Gebrachten widersprechen können. Das Beispiel zeigt, dass Kontextverständnis ein moralisches Urteil nicht allein entscheidet.
Unterschiede sind nicht automatisch Relativismus
Es ist verständlich, jede kulturelle Uneinigkeit als Beweis für relative moralische Wahrheit zu sehen. Menschen können sich aber wegen verschiedener Tatsachen, ungleicher Macht, Angst oder fehlender Informationen unterscheiden. Relativismus ist eine Aussage über den Status moralischer Wahrheit, nicht bloß die Feststellung verschiedener Meinungen.
Über Kulturen hinweg zuhören
Relativistisches Denken hilft, wenn man mit Menschen arbeitet, deren Bräuche einem fremd sind. Es ermutigt dazu, zuerst nach der Bedeutung einer Praxis zu fragen und Unbehagen von echtem Schaden zu unterscheiden. Es verlangt nicht, jede Praxis zu akzeptieren, sondern Gründe zu nennen, statt Fremdheit als Beweis für Falschheit zu behandeln.
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