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Lateinische Anapher: ein Anfang mit Nachdruck — Alte Sprachen, 14–17

Eine Anapher wiederholt ein Wort oder eine Wortgruppe am Anfang aufeinanderfolgender Teilsätze. Das ist keine leere Wiederholung: Der gleiche Anfang gibt einer Rede, einem Gedicht oder einem Argument ein spürbares Muster.

Derselbe Anfang, wieder

Eine Anapher setzt dasselbe Wort oder dieselbe Wortgruppe an den Anfang von mindestens zwei nahen Teilsätzen. Der wiederholte Anfang erzeugt einen Takt und zeigt dir den Zusammenhang, auch wenn Verben oder Gedanken wechseln.

Warum gerade Gesagtes wiederholen?

Zuhörer können eine Rede nicht zurückblättern, deshalb braucht der Redner Klangmuster für die wichtige Struktur. Eine Anapher lässt jeden neuen Teilsatz mit demselben Signal beginnen und steigert Erwartung und Nachdruck, ohne einen neuen Fakt hinzuzufügen.

Ciceros wiederholtes Signal

In einem Muster wie nihil agis, nihil moliris, nihil cogitas, nihil ... beginnt jeder Teilsatz mit nihil. Übersetze es zuerst mit „nichts“; dann erkennst du, dass die Wiederholung die Liste unerbittlich klingen lässt. Sie fügt Nachdruck hinzu, nicht vier verschiedene Bedeutungen.

Nicht jede Wiederholung ist eine Anapher

Du könntest jede Wiederholung Anapher nennen, weil sie sofort auffällt. Entscheidend ist aber die Stellung: Eine Anapher wiederholt am Anfang aufeinanderfolgender Teilsätze; in der Mitte oder am Ende entsteht ein anderer Effekt oder nur eine grammatische Wiederholung.

Reden, Slogans und Erinnerung

Anaphern hörst du in politischen Reden, Protestgesängen, Werbung und Gedichten: „Wir werden ... wir werden ... wir werden ...“. Sie wirken, wenn der gemeinsame Anfang verschiedene Punkte bündelt; sonst wird Wiederholung zu Lärm.

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