Wie Wörter zusätzliche Bedeutungen tragen — Literatur, 11–13 Jahre
Eine Schriftstellerin wählt ähnliche Wörter nicht zufällig aus. Ihre Nebenbedeutungen können eine Szene sanft, hart, lustig oder unheimlich wirken lassen.
Idee
Wörter können im Grunde dasselbe bezeichnen und trotzdem unterschiedliche Gefühle und Vorstellungen auslösen. „Heim“, „Haus“ und „Hütte“ nennen einen Ort zum Wohnen, aber jedes Wort zeichnet ein anderes Bild. Schreibende nutzen solche Nuancen, um unsere Reaktion zu lenken.
Warum es wichtig ist
Eine Geschichte hat nur begrenzten Raum, deshalb muss jedes Wort etwas beitragen. Schreibende nutzen solche Assoziationen schon lange: Ein genaues Wort kann Geschichte, soziale Stellung, Gefahr oder Zuneigung andeuten, ohne alles zu erklären. So entsteht mit weniger Sätzen mehr Vorstellung und Gefühl.
Beispiel Schritt für Schritt
Vergleiche: „Mara ging in den Raum“ und „Mara schlich in den Raum“. Zuerst zeigen beide Sätze, dass sie hineingeht. Dann beachte: „schlich“ deutet kleine, leise Schritte und vielleicht Angst oder Heimlichkeit an. Die zweite Fassung lässt uns eine andere Szene erwarten, obwohl nur ein Verb verändert wurde.
Ein häufiger Fehler
Ein verständlicher Fehler ist, Synonyme für völlig austauschbar zu halten. Oft teilen sie eine Wörterbuchbedeutung, deshalb wirkt ein Austausch harmlos. Doch Lesende nehmen auch Erinnerungen und soziale Nebenbedeutungen wahr: „stur“ und „entschlossen“ beschreiben Ausdauer, aber „stur“ klingt kritischer.
Wo es vorkommt
Das begegnet dir in Romanen, Gedichten, Rezensionen und sogar in Überschriften. Eine Überschrift, die jemanden „Demonstrierenden“ statt „Randalierenden“ nennt, erzeugt einen anderen ersten Eindruck. In der Literatur hilft diese Beobachtung zu erklären, was geschieht und wie die Sprache es wirken lässt.
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