Implikatur: Bedeutung über die Wörter hinaus — Sprache, 14–17 Jahre
Menschen teilen oft mehr mit, als sie ausdrücklich sagen. Die Implikatur erklärt, wie Gesprächspartner Kontext und Erwartungen nutzen, um eine unausgesprochene Botschaft zu erschließen, ohne zu behaupten, die Wörter hätten sie wörtlich gesagt.
Die unausgesprochene Botschaft
Manchmal passt eine Antwort, ohne die genaue Frage zu beantworten. Fragt jemand „Kommst du ins Kino?“ und du sagst „Morgen habe ich eine Prüfung“, hast du wörtlich nicht Nein gesagt, aber deine Antwort vermutlich deutlich gemacht. Diese zusätzliche Bedeutung ist eine Implikatur, die aus Kontext und gemeinsamen Erwartungen entsteht.
Warum Gespräche sie brauchen
Müsste jede Nachricht alle Einzelheiten nennen, wären alltägliche Gespräche quälend langsam. Sprechende verlassen sich darauf, dass andere eine kurze Antwort mit der Situation verbinden; Zuhörende nehmen an, dass sie passend und kooperativ ist. Das spart Aufwand, kann aber auch zu Missverständnissen führen oder später abgestritten werden.
Den Hinweisen folgen
Frage: „Hat Leo das Konzert gefallen?“ Antwort: „Er blieb bis zum letzten Lied und kaufte ein Poster der Band.“ Erstens sagen diese Tatsachen wörtlich nicht Ja. Zweitens sind langes Bleiben und der Kauf eines Posters normalerweise Zeichen von Gefallen. Drittens erschließt die hörende Person vernünftigerweise eine positive Antwort, obwohl Zweifel möglich bleiben.
Eine Schlussfolgerung ist keine Gewissheit
Ein häufiger Fehler ist, eine Implikatur so zu behandeln, als wäre sie ausdrücklich gesagt worden. Das wirkt natürlich, weil Gespräche meist schnelles Deuten belohnen. Doch die sprechende Person kann scherzen, der Frage ausweichen oder nichts wissen. Prüfe die Schlussfolgerung, indem du fragst, ob die ursprünglichen Wörter auch dann wahr wären, wenn dein Schluss falsch wäre.
Zwischen den Zeilen lesen
Implikaturen gibt es in Texten ebenso wie im Gespräch. Eine Restaurantkritik mit dem Satz „Die Aussicht war ausgezeichnet“ kann still andeuten, dass das Essen es nicht war. In E-Mails, Interviews und Online-Kommentaren hilft es, Ausgelassenes und Angedeutetes zu bemerken, ohne einen Hinweis mit einem Beleg zu verwechseln.
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