Regeln, Ausnahmen und Gewissen — Ethik, 11–13 Jahre
Eine Regel schützt meistens etwas Wichtiges, aber sie blind zu befolgen kann manchmal Schaden verursachen. Ethisch zu denken bedeutet zu fragen, wann eine Regel uns leiten soll und wann ein wichtiger Grund eine Ausnahme rechtfertigt.
Regeln haben einen Zweck
Eine Regel ist nicht nur ein Satz, den man befolgen muss: Sie soll Menschen, Gerechtigkeit, Sicherheit oder Vertrauen schützen. Wenn sich die Situation ändert, hilft der Sinn der Regel zu beurteilen, ob ihre genaue Anwendung diesen Zweck noch erfüllt.
Warum Regeln nicht ausreichen
Menschen machen Regeln, weil gemeinsames Leben sicherer und übersichtlicher wird, wenn alle wissen, was sie erwarten können. Doch keine Regel kann jeden Notfall und jede ungewöhnliche Lage voraussehen. Deshalb muss man fragen, ob Befolgen hier schützt oder größeren Schaden anrichtet.
Eine Bibliotheksregel im Notfall
In der Bibliothek steht: „Nicht rennen.“ Du riechst Rauch und siehst neben der Tür einen kleinen brennenden Papierkorb. Zuerst warnst du die Menschen laut, dann gehst du schnell zum Ausgang, ohne zu schubsen, und informierst einen Erwachsenen oder den Notdienst. Du brichst den Wortlaut, um den eigentlichen Zweck zu erfüllen: Menschen zu schützen.
„Jede Ausnahme ist Schummeln“
Es ist vernünftig, Ausnahmen zu misstrauen: Menschen könnten Ausreden erfinden, sobald eine Regel unbequem ist. Der Fehler besteht darin, jede Ausnahme gleich zu bewerten. Eine überlegte Ausnahme hat einen ernsten Grund, begrenzt den Schaden, achtet den Zweck der Regel und lässt sich später offen erklären.
Wenn Pläne auf das echte Leben treffen
Diese Denkweise hilft bei Schulregeln, Sportregeln und Sicherheitsanweisungen. Wenn sich ein Teammitglied verletzt, kann es zum Beispiel wichtiger sein, das Spiel zu unterbrechen, als die Uhr weiterlaufen zu lassen. Das bedeutet nicht, Regeln nach Belieben zu ignorieren, sondern Zweck und Fakten zu prüfen.
Weiter erkunden
Andere Sprachen
MyLeoNes™ wird geladen…